Interessengemeinschaft Wasser, Umwelt und Jugend Köln-Porz-Langel

Rückblick auf das 10-jährige Vereinsjubiläum am 28. und 29. August 2010

Auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr hatten die Mitglieder beschlossen, das 10-jährige Bestehen der Interessengemeinschaft in Form von zwei Informationstagen zu begehen. Nachdem unser Dorfgasthaus „Zur alten Schmiede“ von Familie Doufrain wieder zum Leben erweckt worden war, boten diese Räumlichkeiten im Dorfmittelpunkt den idealen Platz für unsere Veranstaltung.

Getreu unserem Vereinslogo Wasser, Umwelt und Jugend, sollten beide Tage zu Informationen für unsere Mitbürger genutzt werden. Und für eine Kinderbetreuung konnten wir die Mitarbeiterinnen des Fröbel-Kindergartens und der Clementinchen gewinnen. Gut vorbereitet starteten wir deshalb am 28. August gegen 11:00 Uhr mit dem ersten Referat, mussten allerdings wegen des Wetters nach drinnen in den Saal ausweichen.

Dipl.-Ing. Otto Schaaf vom Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe Köln AöR und 2. Vorsitzender der Hochwassernotgemeinschaft Rhein e.V. sprach dann die ersten Glückwünsche aus. Zum Thema Hochwasser erläuterte er die Schutzmaßnahmen an beiden Seiten des Rheins, dem Langeler Gebiet und die Hochwasserübung im vergangenen Jahr. Planungen zum Schutz gegen Grundwasser und die Ableitung des Niederschlagswassers in Bezug auf „Hinter Hoven“ wurden diskutiert. Eingehende Erläuterungen zu den z .Zt. geforderten Dichtigkeitsprüfungen privater Abwasserleitungen wurden in Aussicht gestellt. Hier bietet sich ein Vortrag der StEB auf einer Mitgliederversammlung im November an. Der Vorsitzende Gerd Matthiae bat noch um die Erfüllung eines seit langem geäußerten „Geburtstagswunsches“. Im Gebiet Hinter Hoven möchte doch eine Grundwassermessstelle installiert werden. Der Vorstand der StEB versprach hierzu eine Überprüfung.

Der Vorsitzende dankte Otto Schaaf für seine Ausführungen und begrüßte Heinz Scholl als 1.Vorsitzenden der Hochwassernotgemeinschaft Braubach. Dieser sprach über die Erfahrungen mit Hochwasser und den Zusammenschluss der Bürger zur gegenseitigen Nachbarschaftshilfe, was im Jahre 1986 zur Gründung seines Vereins führte. In dieser Eigenschaft fand man bei Behörden und Institutionen mehr Gehör und wurde in die Hochwasserschutzplanungen mit eingebunden. Enger Kontakt zu Nachbargemeinden und anderen Rheinanliegern führten dann mit zur Gründung der Hochwassernotgemeinschaft Rhein e.V., der sich weitere Rheinstädte und Bürgerinitiativen, so auch unser Verein, anschlossen. Und wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, macht Hochwasser nicht an Ländergrenzen halt.

In vergangene Zeiten führte Axel Reuther vom Verband Deutscher Verkehrsamateure die Zuhörer mit seinem Referat über alte Straßenbahnlinien. Hier stand im Mittelpunkt die ehemalige Kleinbahnverbindung von Porz-Zündorf nach Siegburg mit dem „Rhabarberschlitten“. Leider wurde der Betrieb dieser Linie 1964 eingestellt, die Bahntrasse im Raum Zündorf / Langel / Lülsdorf verkauft und teilweise überbaut. Reste des Bahnkörpers werden heute noch im Raum Niederkassel / Troisdorf als Industriegleis genutzt. Mit alten Fotos ließen Axel Reuther und Mitglied Klaus Schönenkorb noch einmal alte Zeiten aufleben, als man von Langel aus noch mit der Straßenbahn in Richtung Köln oder Bonn fahren konnte. Jetzt steht man dafür fast täglich morgens oder abends mit seinem PKW bereits in der Schmittgasse oder der Hauptstraße im Stau. Mancher Autofahrer wünscht sich darum vielleicht den alten „Rhabarberschlitten“ zurück, der für eine spürbare Entlastung im Straßenverkehr sorgen könnte.

Pläne der Kölner Verkehrsbetriebe zu einer Verlängerung der Linie 7 von Zündorf in Richtung Niederkassel erläuterte Gunter Höhn vom Nahverkehrsmanagement. Gerne würde man die alte Bahntrasse, soweit noch vorhanden, für eine Wiederaufnahme der Strecke nutzen. Dagegen stünden aber Deckungslücken bei der Finanzierung und man warte immer noch auf Geldzusagen vom Bund, Land und der Stadt Köln. Die Bahnstrecke müsste auch unmittelbar am Ortsrand von Zündorf / Langel liegen, um von der Bevölkerung angenommen zu werden. Die erforderlichen Grundstücke ständen noch nicht zur Verfügung und ein entsprechendes Kosten-/ Nutzenverhältnis müsste gewährleistet sein. Das waren wenig Erfolg versprechende Aussichten. So blieb den Langelern auf der Veranstaltung also vorerst nur ein Blick auf alte Fotos des „Vereins Freunde der Kleinbahn Siegburg / Zündorf“ . Sie zeigten wie es einmal war und einmal wieder werden könnte. Und irgendwann hält dann ja vielleicht einmal wieder eine Straßenbahn in der Nähe der früheren „Bahnhofswirtschaft Wirtzhof“ in Langel, dessen von Privathand renoviertes Gebäude in der Heinrich-Klein-Straße noch vorhanden ist.

1045 Jahre sind vergangen, seit „Langalon“ zum ersten Mal im Jahre 965 im Testament des Erzbischofs Bruno erwähnt wurde. Daran erinnerte der Vorsitzende Gerd Matthiae zum Abschluss des 1. Infotages und zitierte aus der von ihm veröffentlichten Chronik „Langel find´ ich gut“. Der Erzbischof vermachte testamentarisch den Fronhof mit seinen Ländereien, der sich in kirchlichem Besitz befand, der Benediktinerabtei Sankt Pantaleon zu Köln. Vermutlich gab es bereits schon früher z.Zt . der Franken an der Stelle des heutigen Fronhofs einen Bauernhof. Eine der Vorgängerkirchen der heutigen St. Clemenskirche gab es schon um das Jahr 1000 als so genannte turmlose Eigenkirche des Fronhofbesitzers. In Langel lebten damals neben einigen Landwirten auch Rheinfischer und Handwerker. Es gab so genannte Wassermühlen im Rhein und auch eine Windmühle, deren bewohnter Turmrest heute noch am Ortseingang steht. Die Einwohner lebten teilweise mit ihrem Vieh zusammen unter einem Dach in Fachwerkhäusern mit Lehmverputz. Und weil es hin und wieder gebrannt hat, gründete man vor 100 Jahren eine Freiwillige Feuerwehr. Der Rhein holte sich bei extremen Hochwassern schon mal ein Stück Land und floss auch sonst in Kiesschichten quer durch Langel. Diese füllen sich noch heute bei hohen Rheinwasserständen und nach Starkregen mit dem so genannten Grundwasser. Alte Karten weisen auf den früheren Rheinverlauf hin. Das heutige Binnenwasser (Angelteiche) ist auch einmal ein alter Rheinarm gewesen. Vielleicht nicht Am Weingartsberg, aber in der Voigtgasse wurde Wein angebaut. Die heute noch existierenden ältesten Gasthäuser sind die „Zur Tant“, „Zur alten Schmiede“ und die „Eule“. In deren Räumlichkeiten feierten u.a. der Junggesellen- und Theaterverein, die nur vom Namen her noch bei Alteinwohnern bekannt sind. Um das Jahr 1900 wurde das über 100 Meter lange „Strandbad Langel“ eingeweiht, als man noch im Rhein baden konnte. Leider brannte es aus ungeklärten Gründen ab und wurde in den 30er Jahren von dem Langeler Heinrich Klein in anderer Form wieder aufgebaut. Als „Strandbads Marie“ war es später ein beliebtes Ausflugsziel bei der Bevölkerung und den Wassersportlern. Die „Friedenseiche“ im Unterdorf wurde von Heimkehrern aus dem deutsch-französischen Krieg 1870 / 71 gepflanzt und grünt noch heute. Mit einigen alten Häusern und engen Dorfstraßen hat sich Langel über Jahrhunderte bis heute seinen dörflichen Charakter bewahrt. Kühe und Schweine wird man in Langel vergeblich suchen, dafür begegnet man aber Pferden, die auf verschiedenen Höfen stehen. Wie es vor vielen Jahren einmal in Langel aussah, konnte man auf Fotos, Karten und Zeitungsausschnitten betrachten, die z.T. von dem früheren Lehrer Karl Heinz Voeller stammten. Passend zur Historie von Langel spielte um die Mittagszeit Heinz Berchem aus Niederkassel Melodien auf seiner alten Drehorgel.

Am Sonntag, dem 29. 08.2010, begrüßte der Vorsitzende Gerd Matthiae die Gäste und eröffnete den 2. Informationstag. Erster Referent war Bernhard Lob, 1. Vor-sitzender des Förderkreis Rechtsrheinisches Köln e.V., mit einem Referat zu Bürgervereinen im Rechtsrheinischen. Er gab einen Überblick über die Ziele seines Vereins, dem Bürgerinitiativen, Firmen, ein unter türkischer Leitung geführtes Gymnasium und Privatpersonen angehören. Der Förderkreis möchte mit seinen Mitgliedern mehr Lebensqualität im Rechtsrheinischen erreichen. Dabei war die Idee nicht neu, gründeten sich doch schon vor über 100 Jahren Bürgervereine in Dünnwald und Deutz. Ortsansässige Bürgervereine sind die eigentlichen Ansprechpartner und kennen ihr Umfeld besser als städtische Ämter und ähnliche Einrichtungen. Der Kontakt im Förderkreis untereinander und der Austausch von Informationen führt oft zu einer anderen Sichtweise. Lob stellte auch die Behauptung auf, dass man einem Ortsteil ansehen könnte, ob sich ein Bürgerverein für seine Mitbürger einsetzt und damit etwas bewegt.

Der Vorsitzende dankte Bernhard Lob, der auch seine Familie mitgebracht hatte, und gab das Wort weiter an die Referenten der Shell Deutschland Oil GmbH. Christian Koof und Stefanie Huth zeigten mit Unterstützung eines Power Points den Verlauf der geplanten Pipeline. Diese soll die Werke Godorf und Wesseling mit mehreren Rohrleitungen, die in einem Rohrmantel zusammengefasst sind, verbinden. Die Leitungen werden an zwei Stellen den Rhein kreuzen und durch den Retentionsraum Langel-Lülsdorf geführt. Dabei wird z.T. eine neue Bohrtechnik angewandt, um die Arbeiten umweltverträglicher zu gestalten. Die Pipeline verläuft auch entsprechend tief im Boden, sodass die neue Spundwand im Altdeich Langel-Lülsdorf unterquert und die Landwirtschaft nicht behindert wird. Nach Inbetriebnahme entfällt der Transport der Produkte zwischen den Raffinerien Godorf und Wesseling mit Tankfahrzeugen auf den Straßen. Die Shell hatte bereits mehrfach in den vergangenen Jahren ihre Pläne auf so genannten Nachbarschaftstreffen und Informationsabenden vorgestellt, sie aber noch einmal technisch überarbeitet. Die Zuhörerschaft folgte mit Interesse den Ausführungen, zumal anwesende Anlieger von den Planungen selbst betroffen sind.

Nach diesem Referat ergriff Reinhard Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale Köln und Geschäftsführer des Hochwasser Kompetenz Centrum HKC Köln e.V., das Wort. Anhand von Filmen zeigte er Hochwasserereignisse, die große Schäden angerichtet haben. Aus harmlosen Bächen wurden nach intensiven Regenfällen reißende Ströme. Eine Begradigung von Flüssen beschleunigt den Ablauf der Flutwelle. Eine Eindeichung von Uferflächen zur Landgewinnung für Wohnungs- und Industriebauten, engt die Flüsse ein Diese treten zwangsläufig dann an anderer Stelle über die Ufer. Eine Erhöhung der Deiche verschärft das Abflussverhalten und gefährdet damit die Unterlieger. Oft sind die Menschen selbst an vielen Katastrophen schuld, weil den Flüssen Retentionsräume und Auenlandschaften fehlen. Aus einem Leben am Strom kann daher leicht ein Leben im Strom werden! Vogt konnte noch viel Interessantes von seinen internationalen Kontakten berichten, zumal seine Kenntnisse i.S. Hochwasser inzwischen überall gefragt sind. Aber auch er stößt oft an Grenzen, die ihm z.T. von der Politik aufgezeigt werden.

Der Vorsitzende dankte Reinhard Vogt und rief auch noch einmal Bernhard Lob zu sich nach vorne. Beide Referenten hatten in der Vergangenheit unseren Verein bei seiner Arbeit unterstützt, sodass ihnen die Ehrenmitgliedschaft angetragen wurde. In Zukunft wird man dann beide auch an dem blauen Poloshirt mit dem Vereinslogo erkennen, das zum Anlass des Vereinsjubiläums für alle Mitglieder gesponsert wurde.

Gut vorbereitet hatte sich Thomas Kahlix, 2. Vorsitzender der Bürgerinitiative Hochwasser Altgemeinde Rodenkirchen e.V., auf das Thema Retentionsräume. Von denen gibt es viel zu wenig, wie er mit entsprechenden Fotos nachweisen konnte. Auch den Retentionsraum Langel-Lülsdorf hätte man durch Flächen östlich der Langeler Straße in Richtung Lülsdorf vergrößern können. Er erinnerte dabei an die vor einigen Jahren stattgefundenen Diskussionen mit den Landwirten. Ursprünglich sollte der Deich des Altdeiches Langel-Lülsdorf an 2 Stellen abgesenkt werden, was zu massiven Protesten führte. Durchgerungen hat man sich dann zu dem Bau von Ein- und Auslassbauwerken, die mit einer gesteuerten Flutung der Felder dem Hochwasser die Spitze nehmen sollen. Thomas Kahlix konnte berichten, dass die Kommunen finanzielle Unterstützung beim Hochwasserschutz von ihren jeweiligen Landesregierungen bekämen. Nur das Land Hessen hat bisher keine entsprechenden Mittel weder eingeplant noch vergeben. Vergangene Hochwasser an Rhein, Elbe und Oder hätten aber gezeigt, dass man dem Wasser wieder mehr Raum geben muss.

Thomas Kahlix hatte den Historiker und Journalisten Martin Stankowski mitgebracht, der um das Wort bat. Im Zusammenhang mit der Regionale 2010 lud er zu einer Besichtigung der Region Köln-Bonn vom Schiff aus ein. Er verwies auch auf die Rheinkonferenzen, die das Interesse an neuen Objekten und die Umnutzung von Industriebrachen wecken sollten. Auch dieser Vortrag kam bei den Zuhörern gut an.

Hatte sich der Vorsitzende der Interessengemeinschaft am Vortag mit Alt-Langel beschäftigt, so kam er jetzt auf das Thema Bauen und Wohnen zu sprechen. Hierbei stand im Vordergrund das Gebiet „Hinter Hoven“. 50 unterkellerte Häuser sind in einem Landschaftsschutzgebiet geplant, das zur Wasserschutzzone III A gehört. Massive Grundwasserprobleme haben inzwischen dazu geführt, dass sich die Verwaltung veranlasst sah, einen entsprechenden Hinweis zum Bebauungsplan zu veröffentlichen. Die Höhenlage der Baustraße zwingt die neuen Bauherren zu einer Anschüttung ihres Grundstücks. Regenwasser darf auf dem eigenen Grund und Boden nicht mehr versickern, sondern muss in die Kanalisation abgeleitet werden. Weitere Auflagen der Verwaltung verteuern den Hausbau, der in einem Risikogebiet liegt. Es werden bei dem Bau von 50 Häusern auch zusätzliche Verkehrsprobleme auftreten. Die vorhandenen Dorfstraßen lassen sich nicht verbreitern, wodurch auch die Wege zur Schule nicht mehr so sicher sind. Der Bebauungsplan wurde im Jahre 1992 rechtskräftig. Die Hochwasser 1993 und 1995 mit hohen Grundwasserständen, haben aber nicht nur im Gebiet „Hinter Hoven“ zu Problemen geführt. Man hätte entsprechend den Erfahrungen aus diesen und nachfolgenden Jahren die Pläne ändern müssen. Dazu war die Verwaltung nicht bereit. Zukünftige Bauherren werden erst spät mit den Risiken konfrontiert, sodass die Interessengemeinschaft als Ansprechpartner mit Hinweisen im Internet unter www.umwelt-langel.de und Plakatierungen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Trotz aller Baumaßnahmen, die sich nicht nur auf „Hinter Hoven“ konzentrieren, muss Langel als ein Dorf am Rhein erhalten bleiben!

Zum Abschluss der Informationstage dankte der Vorsitzende allen Referenten, die auch Präsente erhielten. Dankte den Betreuerinnen, die sich an beiden Tagen um die Kinder gekümmert hatten. Die Kinder konnten bei einem Glücksspiel kleine Gewinne mit nach Hause nehmen. Filme zum Thema Umwelt wurden zusammen mit Fotos gezeigt, wobei es u.a. auch um Langel und den Maifisch ging. Die Langeler Reitergruppe eines Mitgliedes stattete uns einen Besuch ab und auch die Vertreter der Tagespresse waren an beiden Tagen präsent. Ein besonderer Dank galt Familie Doufrain, die sich so flexibel gezeigt hatte und uns statt des Biergartens ihre anderen Räumlichkeiten überließ.